Skip to content Skip to footer

Pilates am Reformer bei paraplegischen Kund:innen

Pilates am Reformer


Wie kontrollierte Bewegung neue Stabilität schaffen kann

Em Pilates begegnet man immer wieder Menschen mit völlig unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen. Manche kommen wegen Rückenschmerzen, andere zur Leistungssteigerung im Sport oder zur Rehabilitation nach Verletzungen. Doch manchmal entsteht eine Zusammenarbeit, die weit über klassisches Training hinausgeht – eine gemeinsame Suche nach neuen Möglichkeiten von Bewegung.

Genau so begann auch die Arbeit mit einer paraplegischen Paralympic-Sportlerin am Reformer.

Die Idee war zunächst einfach: gemeinsam herauszufinden, wie sich der Pilates Reformer für sie sinnvoll nutzen lässt. Nicht nach einem bestehenden Schema, sondern individuell angepasst an ihre körperlichen Voraussetzungen, ihre Ziele und ihre sportlichen Anforderungen. Diese Herausforderung anzunehmen bedeutete auch, Pilates neu zu denken.

Die Sportlerin ist ab dem 11. Brustwirbel abwärts gefühllos. Dadurch verändert sich die gesamte Bewegungsorganisation des Körpers. Bewegungen, die für viele Menschen automatisch ablaufen, benötigen plötzlich höchste Konzentration, Kontrolle und präzise Stabilisation. Besonders Vorwärtsbewegungen stellen eine große Herausforderung dar, weil der Rumpf dabei aktiv gegen die Schwerkraft arbeiten muss.

Gerade hier zeigt der Reformer jedoch seine besondere Stärke.

Durch die Federn entsteht ein kontrollierbarer Widerstand, der individuell angepasst werden kann. Interessanterweise sind dabei nicht immer hohe Widerstände am effektivsten. Häufig erzeugen gerade leichte Federwiderstände die größte Herausforderung für die Rumpfstabilität, weil der Körper weniger „geführt“ wird und wesentlich mehr Eigenkontrolle entwickeln muss.

Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit war viel Unterstützung notwendig. Während vieler Übungen mussten die Beine manuell stabilisiert werden, teilweise auch die Hüfte, um eine sichere Bewegungsführung überhaupt erst möglich zu machen. Mit jeder Einheit zeigte sich jedoch eine deutliche Veränderung.

Nach mehreren Einzelstunden kann die Sportlerin ihren Rumpf heute bereits wesentlich besser stabilisieren. Die Kontrolle im Oberkörper hat sich sichtbar verbessert, und die unterstützende Stabilisation der Hüfte ist inzwischen nur noch selten notwendig. Genau diese kleinen Fortschritte sind im neuro-muskulären Training oft von enormer Bedeutung.

Besonders faszinierend ist dabei, wie stark der Körper trotz neurologischer Einschränkungen weiterhin lernen und sich anpassen kann. Pilates arbeitet nicht nur mit Muskeln, sondern mit Bewegungsstrategien, Koordination und Wahrnehmung. Der Reformer bietet dafür eine außergewöhnlich präzise Trainingsumgebung.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Entwicklung von Übungen, die auch möglichst selbstständig durchgeführt werden können. Mittlerweile besitzt die Sportlerin einen eigenen Reformer zu Hause. Dadurch entstand ein neuer Fokus: Welche Übungen lassen sich sicher und effektiv alleine umsetzen? Welche Positionen funktionieren direkt aus dem Rollstuhl? Wie können Übergänge vereinfacht werden?

Gerade diese praktische Alltagstauglichkeit ist entscheidend. Denn langfristiger Fortschritt entsteht nicht nur durch einzelne Trainingseinheiten, sondern durch regelmäßige Bewegung und Wiederholung.

Die Arbeit mit paraplegischen Kund:innen zeigt eindrucksvoll, dass Pilates weit mehr ist als klassisches Fitnesstraining. Es geht um Anpassungsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, Bewegung individuell neu zu definieren. Der Reformer wird dabei nicht zum starren Gerät mit festen Übungen, sondern zu einem Werkzeug, das Menschen dort abholt, wo sie gerade stehen.

Und manchmal beginnt Fortschritt genau dort, wo man zuerst nur eine Herausforderung gesehen hat – ein großer Dank an unsere Kundin und das Vertrauen und die Bereitschaft zum gemeinsamen Erforschen